Spaziergang durch Staaken: Dorfkirche, Geschichte und Erinnerung
Eigentlich hatte ich für heute Morgen eine andere Wanderung geplant: die „Briesetaler Bohlenweg – Briesesee Runde von Birkenwerder“. Aber manchmal kommt es anders, als man denkt. Nach meiner Rückkehr aus Eckernförde gestern hingen meine Gedanken noch ein wenig an der Küste, und der große Antrieb fehlte heute Morgen einfach. Also habe ich mich erst einmal um die alltäglichen Dinge gekümmert – kurz einkaufen, in Ruhe frühstücken – und mir dann überlegt: Warum in die Ferne schweifen? Ich mache einfach hier in Staaken eine kleine Runde.
Es ging direkt bei mir in Staaken los, genauer gesagt in der Stieglake. Von dort aus führte mich der Weg erst einmal entspannt durch das Grün und ein Stückchen durch die Natur, bevor ich die weitere Runde in Angriff nahm. Es waren am Ende bewegende 4,62 km, die mich durch meine direkte Nachbarschaft geführt haben.
Die Dorfkirche Alt-Staaken
Vor der Dorfkirche angekommen, legte ich den ersten Stopp ein. Es ist ein Ort der Stille, der einen sofort innehalten lässt. Besonders beeindruckend fand ich dort das Kreuz mit der Aufschrift „Geteilt Staaken vereint“, das den Wandel der Zeit und die Überwindung der Trennung symbolisiert.
Transformation vom alten Krankenhaus zum Wohnquartier
Ein interessantes Detail am Rande: Das Areal, an dem ich heute vorbeigekommen bin, hat eine beeindruckende Wandlung vor sich. Seit 2017 läuft dort ein umfassendes Projekt, um das ehemalige Krankenhausgelände in ein modernes und attraktives Wohnviertel zu verwandeln.
Es ist spannend zu sehen, wie die Balance zwischen Denkmalschutz und Neubau gehalten wird. Viele der alten Bestandsgebäude werden aufwendig saniert, um ihren ursprünglichen Charme zu bewahren, während gleichzeitig moderner Wohnraum und eine neue Waldorfschule entstehen. Der Ort verbindet so seine wechselvolle, historische Vergangenheit mit einer zukunftsorientierten Nutzung als lebenswerter Wohnort für viele Menschen.
Gedenken an Dieter Wohlfahrt
Ein besonders bewegender Moment meiner heutigen Tour war der Stopp an der Gedenkstätte für Dieter Wohlfahrt. Die dortige Infotafel und das schlichte Holzkreuz erinnern an das Schicksal eines jungen Mannes, der den Fluchthelfern angehörte.
Aufgewachsen in Hohen Neuendorf und im Besitz eines österreichischen Passes, nutzte er diesen, um nach dem Mauerbau Menschen aus der DDR bei ihrer Flucht über die Kanalisation zu helfen. Am 9. Dezember 1961 sollte eine weitere Aktion an der Grenze zwischen Staaken und Spandau stattfinden, um die Mutter einer Bekannten in Sicherheit zu bringen. Dabei gerieten sie in einen tödlichen Hinterhalt der Grenzpolizei. Beim Versuch, den Stacheldrahtzaun zu durchtrennen, fielen Schüsse. Dieter Wohlfahrt wurde getroffen und blieb nur wenige Meter hinter der Grenze liegen – jegliche Rettungsversuche wurden durch die Grenzposten unter Androhung von Waffengewalt unterbunden, bis es für ihn zu spät war. Es ist wichtig, diesen Ort zu besuchen und die Geschichte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
Der Rückweg und mein Fazit
Nach diesem bewegenden Besuch an der Gedenkstätte für Dieter Wohlfahrt machte ich mich auch schon wieder auf den Weg zurück nach Hause.
Was soll ich sagen? Es war eine kurze und knappe Tour – ob man sie nun als Spaziergang oder als kleine Wanderung bezeichnen möchte, darf jeder für sich entscheiden. Für mich war es genau das Richtige, um nach der Rückkehr aus Eckernförde den Kopf freizubekommen und sanft in den Alltag zu starten.
Die nächste Wanderung steht aber schon in den Startlöchern: Ich plane, am Dienstag die Tour nachzuholen, die ich mir ursprünglich schon für heute Morgen vorgenommen hatte. Mit knapp 9 km Länge ist sie zwar keine riesige Bergtour, aber dennoch eine schöne Strecke, auf die ich mich schon freue. Wer diese oder meine heutige Runde nachverfolgen möchte, kann dies gerne über mein Komoot-Profil tun.
Hier sind meine letzten Wanderungen in der Region Berlin/Brandenburg
- 02. Juli 2026: Wanderung Bahnhof Berlin-Wannsee – Düppeler Forst – Griebnitzsee
- 30. Juni 2026: Wanderung Werder – Wietkiekerturm – Ferch
- 10. Juni 2026: Wanderung Pfaueninsel – Flatowturm – Babelsberg







