Frühlingsruhe statt City-Trubel: Von Marquardt nach Neu Fahrland
Eigentlich hatte ich für den letzten Donnerstag ganz andere Pläne: Ich wollte vom Berliner Hauptbahnhof aus eine große Stadttour starten – vorbei am Bundeskanzleramt, über die Straße des 17. Juni zur Siegessäule, durch das Brandenburger Tor und schließlich über Unter den Linden bis zum Alexanderplatz. Doch wie das manchmal so ist: Ich fühlte mich nicht wirklich gut und habe kurzfristig entschieden, es sein zu lassen. Mitten in den Touristentrubel muss man sich ja nicht stürzen, wenn die Energie nicht ganz reicht.
Stattdessen habe ich mich heute, am Mittwoch, den 29. April, für die deutlich entspanntere Variante entschieden. Die Anreise war denkbar unkompliziert: Vom Bahnhof Berlin-Staaken nahm ich die Regionalbahn um 08:28 Uhr und war bereits gegen 09:02 Uhr am Ziel in Marquardt, das wunderschön gelegen zum Norden von Potsdam gehört. Dass ich so zeitig vor Ort war, gab mir die nötige Ruhe – so hatte ich mehr als genug Zeit, um diesen Wandertag ganz entspannt und ohne jede Eile zu genießen. Eine gute Entscheidung!
Startpunkt: Bahnhof Marquardt (Potsdam)
Die Tour startete direkt am Bahnhof in Marquardt. Hier ist von der großstädtischen Hektik nichts mehr zu spüren. Die friedliche Atmosphäre war genau das, was ich heute gebraucht habe, um in Ruhe durchzuatmen.
Das Schöne ist: Vom Bahnhof aus ist man sofort draußen in der Ruhe und steht quasi direkt in der Brandenburger Natur.
Entdeckungen am Sacrow-Paretzer Kanal: Brücken und kurze Uferwege
Die heutige Route hielt sich (fast) exakt an die Vorgaben meiner Planung. Dabei ging es nicht ständig am Wasser entlang, sondern der Weg führte gezielt zu den markanten Bauwerken der Region.
Zuerst führte mich der Weg durch die markante Eisenbahnbrücke.
Kurz danach verläuft der Weg ein kleines Stück parallel zum Kanal, bis man die Nedlitzer Südbrücke erreicht. Wie auf der Karte zu sehen, knickt die Route direkt nach der Brücke scharf nach rechts ab und führt in die Marquardter Straße hinein. Damit lässt man das Wasser hinter sich und wandert weiter durch die Siedlung in Richtung Neu Fahrland. Es ist eine interessante Streckenführung, die den Fokus auf die beeindruckenden Brückenkonstruktionen legt, bevor es wieder zurück in die Natur geht.
Dort kam ich auch an der Gaststätte „An der Kanalbrücke“ vorbei. Der Biergarten sah eigentlich sehr einladend aus, hatte aber gerade geschlossen. Das war aber gar kein Problem, denn ich hatte ohnehin meinen eigenen Proviant dabei und konnte so ganz unabhängig meine Pause einlegen.
Nach diesem kurzen Stopp in der Siedlung ging es weiter in Richtung Neu Fahrland, wobei der Fokus der Strecke nun wieder mehr auf der Natur lag.
Nachdem ich die geschlossene Gaststätte hinter mir gelassen hatte, folgte ich der Marquardter Straße weiter, wie es meine Planung vorsah. Der Weg führte mich nun wieder ein Stück weg von der direkten Siedlung und hinein in die Potsdamer Naturlandschaft in Richtung Nedlitz.
Dabei kam ich am Natur- und Kulturcamp Treibgut vorbei. Dieses Camp ist eine spannende „Wasserpilgerstätte“, die einen Mix aus Bildungsangeboten, Bewegungsmöglichkeiten und naturnahen Erlebnissen direkt am und auf dem Wasser bietet. Es ist zudem ein anerkanntes Naturfreundehaus. Ein schöner Ort, der zeigt, wie vielfältig die Freizeitangebote hier in der Region sind, auch wenn ich heute eher die Stille der Natur gesucht habe.
Durch die Natur in das geschichtsträchtige Nedlitz
Nach dem Besuch beim Naturcamp Treibgut führte mich mein Weg wieder tiefer in die Natur. Es ist herrlich, wie man hier im Potsdamer Norden zwischen kleinen Waldstücken und offenen Wiesen wandern kann, während man immer wieder die frische Frühlingsluft genießt.
Nach einer Weile erreichte ich schließlich Nedlitz. Der Ort blickt auf eine beeindruckende Geschichte zurück und ist stolze 700 Jahre alt. Es ist faszinierend, durch ein Dorf zu laufen, das schon so lange existiert und den Übergang zwischen den verschiedenen Seen und Kanälen markiert. Diese historische Atmosphäre bildete einen tollen Kontrast zu den modernen Brückenkonstruktionen, die ich kurz zuvor am Kanal gesehen hatte.
Über die Brücke des Friedens nach Neu Fahrland
Nachdem ich das geschichtsträchtige Nedlitz verlassen hatte, führte mich die Route weiter auf die Fahrländer Straße. Ein besonderer Moment auf diesem Teilstück war die Überquerung der Friedensbrücke.
Diese markante Bogenbrücke ist ein echtes Highlight der Strecke. Sie überspannt hier die Havel und verbindet Nedlitz mit der Nauener Vorstadt. Ursprünglich stammt das Bauwerk aus dem Ende des 19. Jahrhunderts, wurde aber natürlich später erneuert, um den modernen Anforderungen gerecht zu werden. Von oben hatte ich einen fantastischen Blick über das Wasser – ein schöner Moment, um kurz innezuhalten.
Wenn man die Brücke überquert hat und der Straße einfach weiter geradeaus folgt, stößt man auf ein architektonisch höchst interessantes Gebäude: das alte Fährhaus. Dieser markante Bau wurde von Ludwig Persius entworfen und wird aufgrund seiner auffälligen Farbe und Form oft liebevoll „rosa Elefant“ genannt. Es ist ein echter Blickfang direkt am Wegesrand.
Interessant ist auch die Geschichte des Ortes direkt daneben: Am Kirchberg rühmte schon Theodor Fontane den wunderbaren Ausblick. Wo früher eine mittelalterliche Kirche stand, befindet sich heute die Kindertagesstätte „Fahrländer Landmäuse“. Solche Entdeckungen machen die Wanderung erst richtig spannend.
Natur pur am Fahrlander See
Nachdem ich das architektonisch beeindruckende Fährhaus hinter mir gelassen hatte, wandelte sich das Bild der Wanderung erneut. Die städtischen Strukturen wichen einer malerischen Naturkulisse, die mich direkt zum Fahrlander See führte.
Der Weg dorthin bietet eine willkommene Ruhepause für die Sinne. Am Ufer des Sees angekommen, findet man den perfekten Ort, um die Seele baumeln zu lassen.
An diesem idyllischen Fleckchen gönnte ich mir eine kleine Auszeit. Es gibt kaum etwas Schöneres, als sich ein mitgebrachtes Mittagessen in einer solchen Umgebung schmecken zu lassen. Fernab vom Trubel der Stadt schmeckt die Brotzeit bei frischer Luft und Seeblick gleich doppelt so gut. Solche Momente der Stille sind es, die eine Wanderung durch die brandenburgische Landschaft so lohnenswert machen.
Spannende Einblicke in die Natur des Sees
Während ich meine Pause am Ufer genoss, fielen mir einige interessante Details zur Geomorphologie und Hydrologie des Gewässers auf. Der Fahrlander See ist weit mehr als nur ein schöner Anblick; er ist ein faszinierendes Beispiel für einen kalkreichen Flachlandsee. Mit seiner fast rechteckigen Form erstreckt er sich über eine Nord-Süd-Länge von etwa 1,7 Kilometern.
Ein Gewässer im Wandel der Zeit
Besonders spannend ist die Geschichte der Wasserwege in dieser Region. Früher war der See über natürliche Grabenverbindungen direkt mit dem Schlänitzsee und dem Wublitzsee vernetzt. Im Laufe des 18. Jahrhunderts griffen die Menschen jedoch massiv in die Havel-Landschaft ein. Durch Begradigungen und den Bau von Kanälen veränderte sich das gesamte Ökosystem rund um die Fahrlander Niederung.
Warum der Boden hier besonders ist
Die Gegend bildet eine Art natürliches Becken. Da der Boden aus sehr unterschiedlichen Schichten besteht, kann Regenwasser hier nicht einfach gleichmäßig versickern. Das führt dazu, dass das Grundwasser oft sehr nah unter der Oberfläche steht – manchmal nur wenige Zentimeter tief!
Früher sorgte der dichte Wald dafür, dass das Wasser gespeichert wurde. Doch als das Holz für den Bau neuer Siedlungen benötigt wurde, verlor die Landschaft ihren natürlichen Wasserspeicher. Solche Einblicke machen deutlich, wie eng die Geschichte der Natur mit der Entwicklung unserer Dörfer und Städte verknüpft ist.
Über die Siegbundwiesen zum Ziel
Nach meiner Pause am See stand ich vor einer Entscheidung. Meine Navigations-App schlug die Route entlang der Bundesstraße B 273 vor, doch vor Ort zeigte sich schnell: Ein sicherer Gehweg fehlte hier komplett. Um mich selbst abzusichern und dem lauten Verkehrslärm zu entgehen, entschied ich mich bewusst gegen den Asphalt und für einen Umweg durch die Natur. Während sich auf der linken Seite die weiten Siegbundwiesen erstreckten, wanderte ich geradeaus auf einem Feldweg direkt in Richtung Wasser.
Am Sacrow-Paretzer Kanal zum Ziel
Wenig später erreichte ich das Ufer des Sacrow-Paretzer Kanals. Hier bog ich nach rechts ab und folgte dem Weg am Wasser. Es war ein herrlicher Kontrast zum Verkehrslärm: links das ruhige Wasser des Kanals und rechts die weiten Felder. Auf diesem Abschnitt passierte ich auch einen lokalen Kajak- und Kanuverleih, was der Gegend eine fast schon urlaubsähnliche Atmosphäre verleiht.
Dieser Pfad durch die märkische Natur war zwar ein kleiner Umweg, aber die Sicherheit und die Ruhe waren es absolut wert. Es ist faszinierend, wie geschichtsträchtig dieser Boden ist – man wandert hier auf einem eiszeitlichen Kameshügel, der schon im 14. Jahrhundert in den Landbüchern von Kaiser Karl IV. erwähnt wurde.
Wichtiger Hinweis: Proviant nicht vergessen!
Ein wichtiger Tipp für alle Nachwanderer dieser 20-Kilometer-Strecke (von Marquardt bis nach Marquardt im Rundgang): Packen Sie unbedingt genügend Verpflegung ein! Auf der gesamten Route gibt es keine Einkaufsmöglichkeiten. Mein mitgebrachtes Mittagessen am See war daher unverzichtbar.
Geschafft! Zurück nach Berlin
Schließlich erreichte ich zielstrebig den Bahnhof. Nach den vielen Kilometern in den Beinen war ich froh, am Ziel angekommen zu sein. Das Glück war auf meiner Seite: Ich musste nur etwa 10 Minuten warten, bis der Zug einfuhr und mich zurück nach Berlin brachte. Ein Tag voller Entdeckungen ging damit zu Ende.
Hier der Verlauf meiner Wanderung auf Komoot.
Meine letzten drei Wanderberichte
Hier finden Sie die Details meiner aktuellsten Touren:
- 22. April 2026: Havelland-Tour: Golm – Grube – Nattwerder – Zernsee Eine sportliche 24-km-Runde ab Potsdam-Golm mit einer perfekten Mischung aus weiten Feldern, geschichtsträchtigen Orten und entspannten Abschnitten direkt am Wasser.
- 17. April 2026: Müggelsee-Umrundung: Ein 24-km-Wanderbericht Ein früher Start in Friedrichshagen führte mich einmal komplett um den größten See Berlins. Natur pur und absolute Ruhe in den frühen Morgenstunden.
- 11. April 2026: Spaziergang: Wannsee – Finkenberg – Schäferberg Ein frühlingshafter Ausflug im Südwesten der Hauptstadt. Von maritimen Ausblicken am Wannsee bis hin zu ruhigen Waldwegen am Schäferberg.

















