Die Müggelsee-Umrundung: Ein sportlicher Streifzug durch Berliner Natur
Mein Tag begann fast von selbst. Ich bin morgens ohnehin immer sehr früh wach, und heute dachte ich mir: Warum soll ich mich noch lange hin und her wälzen? Wenn ich schon wach bin, kann ich genauso gut aufstehen, die Ruhe nutzen und direkt loslegen. Also bin ich zeitig aus den Federn gekommen und habe mich auf den Weg gemacht. Die S-Bahn brachte mich zuverlässig ans Ziel, sodass ich gegen 08:39 Uhr in Friedrichshagen ankam, um meine Wanderung starten.
Nach dem Verlassen des S-Bahnhofs in Friedrichshagen ging es für mich zunächst den Müggelseedamm entlang. Diese kurze Passage führte mich direkt in Richtung See, vorbei an den ersten schönen Villen und lokalen Geschäften, wie etwa der markanten griechischen Taverne. Erst danach erreichte ich den eigentlichen Seeuferweg am Nordufer. Diese erste Etappe war ein Genuss: Die Morgenstimmung über dem Müggelsee war absolut friedlich.
Teil 2: Ein stummer Zeuge: Das Gedenkkreuz für Förster Emil Schwarzenstein
Auf dem Weg zum Krötenteich kam ich dann direkt an dem historischen Gedenkkreuz für den königlichen Förster Emil Schwarzenstein vorbei. Es ist ein stummer Zeuge eines tragischen und bis heute unaufgeklärten Mordes aus dem Jahr 1908. Die Inschrift auf dem schlichten Holzkreuz erinnert an die Nacht zum 23. Januar, in der der Förster im Alter von 55 Jahren erschossen wurde. Es ist ein Ort der Stille, der einen kurz innehalten lässt und der Wanderung eine unerwartete historische Tiefe verleiht. Kurz darauf erreichte ich den Krötenteich im Naturschutzgebiet – einen wunderbaren, stillen Ort.
Kurz darauf erreichte ich den Krötenteich im Naturschutzgebiet – einen wunderbaren, stillen Ort.
Teil 3: Zwischenstopp an der Triglaw-Brücke
Nach dem Krötenteich führte mich mein Weg direkt zur Triglaw-Brücke. Da ich dort einen Moment verweilt habe, um den Blick über das Wasser schweifen zu lassen, konnte ich diese imposante Konstruktion genauer betrachten. Sie hat eine spannende Geschichte: Erbaut im Jahr 1912, wurde sie 2002 grundlegend umgebaut und bildet heute einen wichtigen Knotenpunkt.
Als ich mitten auf der Brücke stand, bot sich mir ein herrlicher Blick von oben auf den Kanal, der sich direkt unter mir durch die Landschaft schlängelt. Dieser Anblick ist der perfekte Vorgeschmack auf das, was sich direkt hinter dieser Brücke anschließt: der Eingangsbereich von Neu-Venedig. Auch wenn ich mich in diesem Moment noch auf der Brücke befand, spürte man sofort die besondere Atmosphäre dieses Ortes, der in den 1920er Jahren durch die Trockenlegung des Sumpfgebiets und das Anlegen dieser Wasserwege entstand.
Es ist ein herrlicher Ort, um kurz den Motor – oder in meinem Fall die Beine – ruhen zu lassen und einfach nur dem Boot zuzusehen, das gemütlich unter der Brücke hindurchzieht. Ein schöner Kontrast zum restlichen Tourverlauf, der die Gegend um die Müggelspree so besonders macht.
Kurz nachdem ich die Brücke überquert hatte und wieder in die Ruhe eines kleinen Waldweges eingetaucht war, stieß ich auf eine Infotafel, die mir den perfekten Überblick über mein weiteres Umfeld gab. Sie zeigt nicht nur, wo ich mich gerade befinde, sondern gibt auch tolle Tipps zu den umliegenden Sehenswürdigkeiten wie Neu-Venedig oder den Müggelturm.
Weiter durch die Natur
Kurz nachdem ich die Triglaw-Brücke überquert hatte, tauchte ich wieder in die Ruhe eines kleinen, idyllischen Waldpfades ein, der von einem Maschendrahtzaun gesäumt war. Die Natur hier ist herrlich entspannt, und der Weg führt einen tiefer in die Waldlandschaft.
Historische Entdeckung am Wegesrand: Kuhle Wampe
Doch wie so oft bei Touren rund um den Müggelsee stößt man unverhofft auf Orte voller Geschichte. Nur ein Stückchen weiter auf diesem Pfad stieß ich auf ein verwittertes Holzschild. Es markiert den historischen Standort des Arbeiterzeltplatzes „Kuhle Wampe“.
Dieses Schild, das auf die Jahre 1913 bis 1935 datiert ist, erinnerte mich sofort an die bewegte Vergangenheit dieses Ortes. Der Zeltplatz war ursprünglich ein beliebter Erholungsort für Berliner Arbeiterfamilien. Seine größte Bekanntheit erlangte der Ort durch den berühmten Film „Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt?“ aus dem Jahr 1932, an dem Bertolt Brecht mitschrieb.
Doch die Geschichte dieses Ortes nahm ein jähes Ende: Im Jahr 1935 wurde die Anlage durch die Nationalsozialisten zwangsweise aufgelöst. Heute erinnert nur noch dieses einfache Holzschild an diesen geschichtsträchtigen Ort, der einst voller Leben war. Es ist ein besonderer Moment, an solch einem Ort kurz innezuhalten.
Teil 4: Am Müggelsee – Der Blick aufs Wasser
Nachdem ich die historischen Spuren von „Kuhle Wampe“ hinter mir gelassen hatte, führte mich mein Weg direkt an das Ufer des Müggelsees. Dort stieß ich auf die Anlegestelle der „Stern und Kreisschiffahrt“. Das große Hinweisschild für die Hotel Müggelseeperle und die vorbeifahrenden Ausflugsschiffe sind ein bekannter Anlaufpunkt für viele Touristen.
Man könnte meinen, dass man hier nun das Wandern unterbricht, um aufs Deck zu wechseln. Aber ich habe mich bewusst gegen das Schiff entschieden. Es ist ein ganz anderes Erlebnis, den See zu Fuß zu umrunden und die Weite des Wassers in Ruhe auf sich wirken zu lassen, statt den Weg fahrend abzukürzen.
Doch das Wandern macht hungrig – und da ich heute keinen eigenen Proviant dabei hatte, kam mir der angrenzende Prinzengarten an der Müggelseeperle gerade recht. Der Hunger war mittlerweile groß, also gab es dort eine klassische Bockwurst mit Brötchen als Stärkung. Es tat gut, dort kurz innezuhalten, die Beine zu entlasten und den Ausblick direkt am See zu genießen, bevor es für mich wieder weiterging.
Begegnung am Wasser
Gleich auf der linken Seite, als ich nach der Stärkung wieder zurück Richtung Wasser lief, wartete ein besonderes Highlight auf mich: Eine beeindruckende Skulptur, die eine Art Meerjungfrau aus Metallteilen darstellt. Sie thront direkt am Ufer als Wächterin des Sees. Ich habe mir den Moment nicht entgehen lassen und ein Erinnerungsfoto mit diesem faszinierenden Kunstwerk gemacht.
Teil 5: Auf dem letzten Abschnitt zum S-Bahnhof
Nach der stärkenden Pause im Biergarten und dem Fotomoment an der Skulptur folgte ich dem Weg weiter direkt am Wasser entlang. Der Uferpfad am Großen Müggelsee ist einfach herrlich; die frische Brise und der Blick auf die vielen Boote ließen die letzten Kilometer wie im Flug vergehen.
Die Natur begleitete mich bis zum Schluss, doch nach einer Weile tauchten die ersten Wegweiser auf, die mir zeigten, dass mein Ziel nicht mehr weit entfernt war. Ein Schild wies mir schließlich den direkten Weg: Es waren nur noch 1,8 Kilometer bis zum S-Bahnhof Friedrichshagen.
Mit dem Wissen, dass ich den Bahnhof bald erreichen würde, konnte ich das letzte Stück entspannt ausklingen lassen. Diese Tour rund um den Müggelsee und entlang der Spree bot eine wunderbare Mischung aus Natur, Geschichte und kleinen persönlichen Entdeckungen.
Fazit: Rund um den Müggelsee – Ein Paradies für Aktive
Insgesamt war die Wandertour sehr angenehm. Man muss jedoch bedenken, dass man die 24 km nicht durchgehend direkt am Ufer entlanglaufen kann; da gibt es immer wieder minimale Abweichungen, bei denen der Weg etwas ins Landesinnere abzweigt und durch idyllische Waldabschnitte oder über enge Pfade führt – den genauen Verlauf könnt ihr euch natürlich jederzeit auf meiner Karte bei Komoot ansehen.
Wer das Wasser nicht nur vom Ufer aus erleben möchte, findet unterwegs zahlreiche Möglichkeiten. Wenn man beispielsweise nach der Brücke auf der linken Seite am Kanal entlangläuft, entdeckt man unter anderem einen Tretbootverleih. Wenn man den gesamten See umrundet, gibt es zudem immer wieder schöne Strandabschnitte – egal ob FKK oder klassischer Strand mit Imbissbuden für eine wohlverdiente Stärkung. Es gibt also auf der gesamten Runde viele Gelegenheiten, sich richtig auszupowern und den Tag am Müggelsee voll auszukosten.
Für alle, die meine Route gerne nachwandern möchten, habe ich den Link zur Tour auf Komoot beigefügt: Komoot-Tour
Meine letzten Wanderungen
Hier sind meine drei vorangegangenen Wanderungen zum Nachlesen:
- [11. April 2026] Spaziergang-Wannsee-Finkenberg-Schäferberg
- [08. April 2026] Tegeler See - 18 km Wandern - Fähre
- [06. April 2026] Wandern-Hennigsdorf-Spandau-Mauerweg-Havel
Update: 15.06.2026













