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Havelland-Tour-Golm-Grube-Nattwerder-Zernsee


Natur pur ab Golm: Über Nattwerder zum Großen Zernsee


​Nach meiner 24-km-Tour am vergangenen Freitag am Müggelsee ging es heute wieder sportlich zur Sache. Startpunkt war der Bahnhof Potsdam-Golm, den ich bequem mit der Regionalbahn ab Staaken erreicht habe. Diese Runde bot eine perfekte Mischung aus geschichtsträchtigen Orten, weiten Feldern und entspannenden Abschnitten am Wasser.


Der Auftakt: Von Golm über den Mühlenberg


​Direkt nach dem Aussteigen am Bahnhof Golm führte mich der Weg zunächst Richtung Mühlenberg. Auch wenn der Name nach einer Erhebung klingt, dient dieser Abschnitt vor allem als Übergang, um das bebaute Gebiet von Golm zügig hinter sich zu lassen.



Ab hier beginnt das echte Havelland-Feeling:


Direkt hinter dem Mühlenberg übernimmt die Natur die Regie. Es empfängt Sie die typische märkische Stille und eine Weite, die sofort zum Durchatmen einlädt. Ohne lange Aufenthalte ging es direkt weiter, bis die Umgebung spürbar ruhiger wurde.



Über Grube nach Nattwerder und das historische Schöpfwerk


​Der Weg führte mich weiter nach Norden in den Ortsteil Grube. Ein interessanter Blickfang direkt im Ort ist der markante Teich, die sogenannte Kuhtränke – ein eigenartiger Anblick, an dem Sie aber wunderbar entlanglaufen können.



Von Grube aus führt die Route weiter in Richtung Nattwerder durch das weitläufige Gebiet der Wublitz-Niederung. Auf der linken Seite des Weges passierte ich dabei ein besonderes technisches Denkmal: das denkmalgeschützte Schöpfwerk Nattwerder. Dieses Backsteingebäude ist ein wichtiges Zeugnis der Wasserwirtschaft in dieser Region.

​Solche Bauwerke waren notwendig, da das Golmer Luch geologisch bedingt durch ein Gegengefälle zur Havel dauerhaft vernässt ist. Erst mit der Besiedlung durch Schweizer Einwanderer im 17. Jahrhundert nahm die Bevölkerungsdichte zu und es fanden verstärkt Entwässerungsmaßnahmen statt. Dennoch blieben bis heute ausreichend vernässte Bereiche erhalten, die eine vielseitige Fauna und Flora von Orchideen bis hin zu Seeadlern beherbergen. Besonders markant sind hierbei die Erdelöcher Nattwerder, die direkt am Weg liegen.



In Nattwerder angekommen, führte mich mein Weg zunächst in die kleine Dorfkirche. Die Stille im Inneren war sofort spürbar. Direkt gegenüber habe ich es mir auf einer Bank im Freien gemütlich gemacht, um einen Apfel zu essen. Es war herrlich ruhig – weit und breit war kein anderer Wanderer unterwegs. Als dann die Kirchenglocken zu läuten begannen, verlieh das der Szenerie etwas unglaublich Beruhigendes.



Durch die Wublitz-Niederung zum Großen Zernsee


​Lange blieb ich nicht allein mit meinen Gedanken, denn direkt hinter Nattwerder tauchte das nächste Highlight auf. Eine Infotafel am Wegesrand ließ mich kurz verweilen und eintauchen in die Entstehungsgeschichte dieser besonderen Landschaft. Das Golmer Luch verdankt seine Form einem uralten Gletscherbecken. Dass wir heute hier so entspannt wandern können, verdanken wir der harten Arbeit der Siedler von früher. Und trotzdem hat es die Region geschafft, ihre wildromantische Seele zu bewahren.

​Aber nun genug der Geschichte: Weiter ging es durch die grüne Wublitz-Niederung, wo das Wasser mein ständiger Begleiter war. Ein Blick auf meiner digitalen Wanderkarte bestätigte, was sich mir direkt am Wegesrand bot: Die sogenannten Erdelöcher Nattwerder. Ein wunderbares Fleckchen Erde, wo sich alte Bäume malerisch im stillen Wasser spiegeln. Eine Ruhe und Idylle, die man einfach genießen muss. Die gesamte Szenerie wurde von einem makellos blauen Himmel überstrahlt – der perfekte Rahmen für diesen Tag.



Filmreife Kulisse am Großen Zernsee


​Das landschaftliche Highlight der Tour war der Abschnitt am Großen Zernsee. Die Weite des Wassers und die frische Luft am Seeufer sind die perfekte Belohnung für die bisherigen Kilometer. Hier stieß ich am Ufer auf einen gewaltigen Findling, einen Biotitgranit aus dem Berner Oberland. Eine Gedenktafel erinnert an 14 reformierte Schweizer Familien, die am 18. Juni 1685 landeten, um das Golmer Bruch urbar zu machen.



Ein weiteres Juwel direkt am Ufer ist das geschichtsträchtige Gut Schloss Golm. Einst erholten sich hier Weltstars wie Marlene Dietrich, Marika Rökk und Harry Piel von ihren Ufa-Filmarbeiten in Babelsberg. Auch wenn das Schloss unter der Woche leider geschlossen war, bot die Seite des Anwesens einen direkten Zugang zum See. Mit Blick auf das Wasser des Großen Zernsees habe ich dort mein Mittagessen genossen – ein idealer Ort für Panorama-Aufnahmen.


Wichtiger Hinweis zur Verpflegung:

Auf dieser Strecke ist Einkehr kaum möglich. Mir ist auf der gesamten Distanz kein Biergarten und auch kein Supermarkt begegnet. Packen Sie sich also unbedingt ausreichend Verpflegung ein! Ich hatte Toast mit Dosenwurst, etwas frisches Gemüse, einen süßen Riegel und genug zu trinken dabei.


Der direkte Rückweg zum Bahnhof


​Nach der Pause am Seeufer begann der letzte Teil der Wanderung. Vom Schloss aus führte mich die Route zügig zurück. Da der Bahnhof Golm etwas außerhalb des eigentlichen Ortskerns liegt, geht es hier weniger durch eine geschlossene Ortschaft als vielmehr durch eine lockere Ansiedlung mit vereinzelten Häusern.

​Über den Golmer Damm und die Geiselbergstraße führte der Weg direkt durch dieses ruhige Außenareal zurück zum Schienenanschluss.


Ein kleiner Tipp für Extrameter:


Wer noch etwas Energie übrig hat, kann direkt am Golmer Damm einen Abstecher auf den Reiherberg (68 m) machen. Ich bin diesmal geradeaus weitergelaufen, aber für die Aussicht über das Luch ist der kurze Aufstieg sicher für viele interessant.


Ankunft und Abreise:


Wieder am Bahnhof Golm angekommen, ging es für mich zurück Richtung Spandau. Wer diese Tour plant, sollte beachten, dass die Bahnverbindung nach Spandau aktuell nur einmal pro Stunde bedient wird. Es lohnt sich also, die Ankunft am Bahnhof zeitlich etwas darauf einzustellen.


Stellwerk am Bahnhof Golm 


Hier der ungefähre Streckenverlauf auf Komoot.


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