Morgenspaziergang: Von Pichelsdorf in die historische Altstadt Spandau
Ein herrlicher Morgen in Spandau lädt förmlich dazu ein, die Stadt zu Fuß zu erkunden. Nachdem wir in Wilhelmstadt gestartet waren, lag ein wunderbarer Weg vor uns, der Natur und Geschichte perfekt miteinander verbindet. Es dauerte gar nicht lange, da konnten wir schon von Weitem die markanten Umrisse der Spandauer Altstadt erkennen. Mit jedem Schritt wuchs die Vorfreude auf das historische Zentrum.
Auf dem Weg entlang der Havel findet man immer wieder gemütliche Sitzgelegenheiten. Wir haben die kleine Pause genutzt, uns einen Moment gesetzt und uns von der Sonne bescheinen lassen. Es ist ein toller Ort, um kurz innezuhalten, während man das Wasser genießt.
Die Sternbergpromenade
Ein besonderes Highlight auf dieser Route ist der Weg entlang der Sternbergpromenade. Direkt am Wasser gelegen, bietet sie Ihnen nicht nur Entspannung und einen weiten Blick über die Havel, sondern erinnert auch an ein bedeutendes Stück Spandauer Zeitgeschichte.
Ein Ort mit Geschichte
Beim Schlendern kommen wir an einer Informationstafel über die Familie Sternberg vorbeikommen. Es ist beeindruckend und bewegend zugleich, mehr über die Menschen zu erfahren, die diesen Ort über Generationen hinweg geprägt haben:
- Eine prägende Dynastie: Die Familie Sternberg gehörte fast zwei Jahrhunderte lang zu den einflussreichsten jüdischen Familien in Spandau. Ihr Textilgeschäft „M.K. Sternberg“ war seit Mitte des 19. Jahrhunderts eine feste Institution direkt am Markt.
- Engagement für die Stadt: Die Familienmitglieder waren nicht nur erfolgreiche Geschäftsleute, sondern engagierten sich stark im sozialen und kulturellen Leben. Sie unterstützten die Synagoge und gründeten ein jüdisches Altenheim.
- Verfolgung und Rückkehr: Trotz ihrer tiefen Verwurzelung blieb die Familie nicht vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten verschont. Während viele zur Auswanderung gezwungen wurden, kehrten einige, wie Hans Sternberg (geboren 1925), nach dem Krieg zurück. Für sein unermüdliches Engagement für seine Heimatstadt wurde ihm 1980 das Bundesverdienstkreuz verliehen.
Es ist wichtig, dass Orte wie die Sternbergpromenade diese Geschichten lebendig halten.
Ein Blick unter die Charlottenbrücke: Geschichte und Zukunft am Lindenufer
Unser Spaziergang führte uns weiter unter den massiven Brückenköpfen der Charlottenbrücke hindurch. Dieser Teil des Weges direkt am Ufer hat eine ganz eigene, fast schon urbane Atmosphäre.
Ich habe mich ein wenig über diese Brückenköpfe informiert, da sie direkt am Havelradweg liegen:
- Frühere Nutzung: In den Räumlichkeiten unter der Charlottenbrücke befanden sich früher Sanitär- und Versorgungsräume für die Schifffahrt und Passanten.
- Aktueller Zustand: Momentan stehen diese Räume leider leer und sind stark sanierungsbedürftig. Vandalismus und Graffiti prägen das aktuelle Bild unter der Brücke.
- Pläne für die Zukunft: Es gibt spannende Bestrebungen, diesen Bereich am Lindenufer wieder zu beleben. Das Ziel ist eine sinnvolle Nachnutzung der Flächen, zum Beispiel durch gastronomische, touristische oder kulturelle Angebote. Das würde die Aufenthaltsqualität direkt am Wasser natürlich enorm steigern und eine tolle Verbindung zwischen der Altstadt und dem Ufer schaffen.
Es wäre schön zu sehen, wenn diese historischen Gemäuer bald wieder mit Leben gefüllt werden, statt im Dunkeln zu liegen.
Ein Ort des Gedenkens: Das Mahnmal am Lindenufer
Nur ein kurzes Stück weiter, direkt am Lindenufer, sind wir an einem weiteren bedeutsamen Ort vorbeigekommen. Hier steht ein eindrucksvolles Mahnmal, das innehalten lässt. Es ist ein zentraler Ort der Erinnerung in Spandau, dessen Geschichte tief bewegt:
- Erinnerung an die Synagoge: Das Mahnmal wurde bereits 1989 errichtet, um an die Spandauer Synagoge zu erinnern. Diese stand einst genau hier, an der Ecke Lindenufer und Kammerstraße, bevor sie in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 durch Brandstiftung zerstört wurde.
- Die Namensmauer: Unter dem Motto „Jeder Mensch hat einen Namen“ wurde das Denkmal im Jahr 2012 um eine geschwungene Mauer ergänzt. In diese Mauer sind Steine mit den Namen der jüdischen Bürgerinnen und Bürger aus Spandau eingefügt, die während der Naziherrschaft deportiert und ermordet wurden.
- Architektur des Gedenkens: Entworfen wurde das gesamte Mahnmal von Ruth Golan-Zareh und Kay Zareh. Die Gestaltung schafft einen Raum, der den Opfern des Holocaust ihre Identität zurückgibt und ein dauerhaftes Zeichen gegen das Vergessen setzt.
Es ist ein stiller, aber kraftvoller Ort direkt am Wasser. Für uns war dieser Stopp ein wichtiger Moment auf unserem Weg, um über die Geschichte unserer Stadt nachzudenken, bevor wir die belebten Gassen der Altstadt erreichten.
Ankunft in der Altstadt: Der Partnerschaftsbrunnen in der Havelstraße
Nach den eindrucksvollen und nachdenklichen Stationen am Lindenufer sind wir schließlich mitten in das lebendige Treiben der Spandauer Altstadt eingetaucht. Unser Weg führte uns direkt in die Havelstraße, wo uns ein besonderes Kunstwerk ins Auge fiel: der Partnerschaftsbrunnen.
Dieser Brunnen ist ein schöner Treffpunkt und erzählt viel über die Verbindungen Spandaus in die ganze Welt.
Ein Wahrzeichen mit Geschichte: Die St.-Nikolai-Kirche
Mitten im Herzen der Spandauer Altstadt sind wir schließlich auf ein beeindruckendes Bauwerk gestoßen, das man einfach nicht übersehen kann: die St.-Nikolai-Kirche. Sie ist weit mehr als nur ein Gotteshaus – sie ist ein echtes Symbol für die Beständigkeit Spandaus.
Hier sind einige spannende Details, die ich über diese Kirche erfahren habe:
- Eines der ältesten Gebäude: Die St.-Nikolai-Kirche gilt als die älteste Kirche Berlins und ist ein bedeutendes Wahrzeichen des gesamten Bezirks.
- Bewegte Vergangenheit: Im Laufe ihrer langen Geschichte hat sie viel erlebt. Besonders im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude schwer beschädigt, konnte aber später glücklicherweise wieder vollständig aufgebaut werden.
- Ein Ort der Kultur: Heute dient sie nicht nur der Gemeinde, sondern ist auch als bedeutendes historisches Bauwerk und Museum für Besucher zugänglich.
Der Anblick der markanten Architektur direkt am Reformationsplatz ist wirklich beeindruckend und bildet einen würdigen Abschluss für unseren heutigen Spaziergang durch die historischen Gassen.
Das Schinkel-Denkmal: Spandaus ältestes Zeugnis
Ganz in der Nähe der St.-Nikolai-Kirche stoßen wir auf eine eiserne Konstruktion, die sofort ins Auge fällt: das Schinkel-Denkmal. Es ist ein ganz besonderer Stopp auf unserem Weg, denn hier stehen wir vor dem ältesten Denkmal, das Spandau zu bieten hat.
- Meisterhandwerk aus Eisen: Der Entwurf für dieses Bauwerk stammt von keinem Geringeren als Karl Friedrich Schinkel. Er hat hier zwölf eiserne Lanzen so miteinander verbunden, dass sie diese markante, turmartige Form bilden.
- Ein Denkmal für die Bürger: Hinter der Architektur steckt eine bewegende Geschichte. Es wurde errichtet, um die Spandauer zu ehren, die in den Befreiungskriegen (1813–1815) für ihre Heimat gekämpft und ihr Leben gelassen haben.
Es ist faszinierend zu sehen, wie ein so filigranes Denkmal über zwei Jahrhunderte überdauert hat und auch heute noch so präsent auf dem Platz steht. Ein echtes Stück Berliner Geschichte zum Anfassen.
Das Denkmal für Kurfürst Joachim II.
Gleich in der Nähe der St.-Nikolai-Kirche sind wir auf ein weiteres bedeutendes Denkmal gestoßen, das an ein wichtiges Kapitel der Spandauer und Berliner Geschichte erinnert: das Standbild für Kurfürst Joachim II..
Hier sind die Details zu diesem historischen Ort:
- Zentrale Figur der Reformation: Das Denkmal erinnert an Kurfürst Joachim II. von Brandenburg, der im Jahr 1539 in der St.-Nikolai-Kirche zum ersten Mal das Abendmahl in beiderlei Gestalt (Brot und Wein) empfing. Dies markierte den offiziellen Übertritt des Kurfürsten zum protestantischen Glauben und den Beginn der Reformation in Brandenburg.
- Standort: Das Standbild befindet sich direkt auf dem Reformationsplatz, unmittelbar vor der St.-Nikolai-Kirche.
- Künstlerische Gestaltung: Die bronzene Statue wurde von dem Bildhauer Erdmann Encke geschaffen und im Jahr 1889 feierlich enthüllt.
- Symbolik: Der Kurfürst wird in zeitgenössischer Tracht mit dem kurfürstlichen Ornat und dem Schwert dargestellt, was seine weltliche und geistliche Bedeutung für die damalige Zeit unterstreicht.
Dieses Denkmal verbindet die Geschichte der Kirche direkt mit der politischen Entwicklung des Landes und zeigt, wie tief verwurzelt die Reformation hier in Spandau ist.
Der Spandauer Marktplatz: Das Herz der Altstadt
Zum Abschluss unseres Spaziergangs erreichen wir den Marktplatz, den zentralen Treffpunkt im historischen Kern von Spandau. Auch wenn es heute ein ruhigerer Moment war, ist dieser Ort normalerweise das pulsierende Zentrum des Bezirks:
- Ein Platz mit vielen Gesichtern: Der Marktplatz ist weit über die Grenzen Spandaus hinaus bekannt für seine regelmäßigen Veranstaltungen. Besonders der traditionelle Weihnachtsmarkt oder der „Marktplatz der Möglichkeiten“ verwandeln das Kopfsteinpflaster regelmäßig in eine lebendige Bühne.
- Historie trifft Moderne: Während die Architektur rundherum an die lange Geschichte der Stadt erinnert, finden sich hier heute wichtige Institutionen wie die Berliner Volksbank. Es ist diese Mischung aus historischem Charme und dem heutigen Alltag, die den Platz so besonders macht.
- Ein weiter Blick: Von hier aus lässt man am besten den Blick schweifen und genießt die offene Fläche, bevor man sich vielleicht in eine der angrenzenden Gassen zurückzieht.
Für uns war dies der letzte Stopp eines ereignisreichen Morgenspaziergangs. Auch ohne viele Fotos von jedem einzelnen Geschäft einzufangen, bleibt der Eindruck einer geschichtsträchtigen und zugleich lebendigen Altstadt hängen.
Impressionen von unseren letzten Spaziergängen durch Spandau:
- 26. April 2026: Spaziergang-Scharfe-Lanke-Gatow-Havel
- 21. April 2026: Spandau-Spaziergang-Grimnitzsee-Altstadt
- 15. April 2026: Landhausgarten-Dr-Max-Fraenkel-Kladow










