Frühlingswanderung an der Havel: Von Kladow zum historischen Schlosspark Sacrow
Ein Spaziergang durch die Berliner und Potsdamer Havellandschaft bietet zu jeder Jahreszeit besondere Reize. Wer am Vormittag in Spandau startet, kann Natur und preußische Geschichte ideal verbinden.
Frühlingserwachen trotz Zeitumstellung
Obwohl die Nacht durch den Beginn der Sommerzeit eine Stunde kürzer ausfiel, bot die frische Vormittagsluft den perfekten Rahmen, um munter zu werden. Die ersten langen Lichttage des Jahres laden dazu ein, die Umgebung neu zu entdecken. Die Anreise erfolgte bequem mit der Buslinie 134 von Spandau bis zur Endstation Hottengrund, direkt an der Grenze zu Brandenburg.
Entlang des Havelufers
Der Weg führt zunächst unmittelbar ans Wasser. Von den Pfaden oberhalb der Böschung aus eröffnen sich weite Ausblicke über die ruhige Havel. Am Horizont ragt der Fernmeldeturm markant über die Silhouette der Wälder empor – ein beeindruckender Orientierungspunkt in der weiten Landschaft. Die noch kahlen Äste der Bäume rahmen das Panorama ein und lassen das Blau des Wassers besonders intensiv wirken.
Durch märkische Wälder und Hohlwege
Vom Uferweg aus wechselt die Route auf schmale Pfade, die sich wie Hohlwege durch den Wald schlängeln. Hier zeigen sich bereits die ersten Vorboten des Frühlings: Frisches Grün leuchtet an den Hängen zwischen dem braunen Vorjahreslaub hervor. Das Spiel aus Licht und Schatten auf dem Waldboden macht diesen Abschnitt besonders abwechslungsreich. Dank der guten Beschilderung in Richtung bleibt das Ziel stets im Blick. Wegweiser kündigen die Entfernung zum Schlosspark und zur Heilandskirche präzise an.
Der Sacrower Park: Ein Meisterwerk von Lenné
Der Park Sacrow, den Friedrich Wilhelm IV. im Jahr 1840 erwarb, ist ein bedeutendes Denkmal der Gartenkunst. Gestaltet vom berühmten Gartendirektor Peter Joseph Lenné, zeichnet sich die Anlage durch raffinierte Sichtachsen aus. Von hier aus blicken Besucher auf die Pfaueninsel, den Neuen Garten und die Potsdamer Stadtsilhouette.
Nach dem Zweiten Weltkrieg erlitt das Areal schwere Schäden. Durch die Lage direkt an der innerdeutschen Grenze und den Bau der Berliner Mauer gingen große Teile der Gartenflächen verloren. Erst seit der Wiedervereinigung und der Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste im Jahr 1990 wird der Park schrittweise in seiner alten Pracht wiederhergestellt.
Die Heilandskirche: Ein Symbol der Überwindung
Direkt am Havelufer steht die Heilandskirche, die zwischen 1841 und 1844 nach Plänen von Ludwig Persius errichtet wurde. Das Bauwerk im Stil einer frühchristlichen Basilika mit ihrem freistehenden Glockenturm (Campanile) ist heute ein Magnet für Besucher.
Die Geschichte der Kirche ist bewegt: 1897 war sie Schauplatz technischer Innovationen, als hier die ersten deutschen Funkversuche durchgeführt wurden. Während der deutschen Teilung lag sie jedoch im unzugänglichen Sperrgebiet und wurde schwer beschädigt. Erst mutige Initiativen in den 1980er Jahren und die umfangreiche Restaurierung nach der Wende retteten dieses architektonische Juwel. Heute ist sie ein friedlicher Ort der Einkehr und ein Symbol für die Überwindung der Teilung.
Ein mahnendes Gedenken: Lothar Hennig
Kurz bevor es mit dem Bus wieder zurückging, hielten wir an einer Gedenkstele inne. Sie erinnert an Lothar Hennig (1954–1975), der an dieser Stelle sein Leben verlor.
Lothar Hennig stammte aus Sacrow und war mit den Gegebenheiten im Grenzgebiet vertraut. Am Abend des 4. November 1975 kam er mit dem Bus aus Potsdam zurück. Da zu diesem Zeitpunkt in Sacrow wieder einmal "Flüchtlingsalarm" ausgelöst worden war, riet ihm der Busfahrer zur Vorsicht. Wie er es gewohnt war, rannte Hennig die letzten 400 Meter zu seinem Elternhaus im Dauerlauf.
Ein Grenzposten hielt sein Verhalten jedoch für verdächtig. Obwohl Hennig bereits zuvor kontrolliert worden war, forderte ihn der Posten zum Stehenbleiben auf. Als er weiterlief, gab der Grenzsoldat Schüsse ab. Lothar Hennig wurde in den Rücken getroffen und erlag kurz darauf im Krankenhaus seinen Verletzungen. Er wurde nur 21 Jahre alt.
Besonders tragisch: Obwohl die Tötung selbst nach damaligem DDR-Recht strafbar gewesen wäre, wurden die Ermittlungen damals eingestellt. Erst nach der Wiedervereinigung, im Jahr 1996, wurde der Schütze zu einer Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt.
Dieses Denkmal erinnert uns eindringlich daran, dass die idyllische Ruhe, die wir heute im Park und an der Heilandskirche genießen, jahrzehntelang durch eine tödliche Grenze zerschnitten war.
Fazit:
Ein Ausflug von Kladow nach Sacrow verbindet die Ruhe der Natur mit den tiefen Spuren der deutschen Geschichte. Es ist eine Route, die zum Nachdenken anregt und gleichzeitig die Sinne belebt.
Weitere Wanderungen in Brandenburg
Hier meine Berichte zu meinen letzten Touren:
- 11. März 2026 – Wanderung Glindower Alpen & Werder-Geschichte: Eine Tour durch die „Alpen“ bei Werder an der Havel, die trotz anfänglicher Herausforderungen bei der Anreise mit tollen Naturerlebnissen belohnte.
- 06. März 2026 – Natur-Wanderung Moorlinse, Hobrechtsfelde & Schönower Heide: Ein früher Aufbruch in Spandau ermöglichte diese ruhige Tour durch wertvolle Biotope und Rückzugsgebiete für Amphibien und seltene Vögel.
- 20. Februar 2026 – Wanderung Seeburg, Finkenberg & Döberitzer Heide: Eine sportliche 20-Kilometer-Runde, die durch die weite Wildnis der Döberitzer Heide bis zum Aussichtsturm am Finkenberg führte.

















