Abschied unter alten Buchen: Eine Wanderung zum „Küstenfrieden“ Altenhof
Heute verlief der Tag zunächst ganz normal. Nach dem Frühstück sind Christina und ich von unserer Ferienwohnung aus zum Strand gelaufen, um unseren Strandkorb 305 am Meerwasser-Wellenbad aufzusuchen. Während wir dort waren, habe ich mir überlegt, dass ich für mich alleine eine kleine Wanderung zum nahegelegenen Begräbniswald unternehmen möchte. Mein Weg führte mich vom Strandkorb aus zunächst die Strandpromenade entlang, von wo ich dann auf die Berliner Straße abbog, um in Richtung Kiel/Altenhof weiterzulaufen. Ich blieb eine Weile auf dieser Strecke, bis ich schließlich links nach unten in das Waldgebiet einbog. Erst am Ende dieses Wegstücks erreichte ich den Steilküstenpfad, der mich schließlich direkt in den Begräbniswald führte.
Vom Prunk zur Natur
Wie sich unsere Bestattungskultur verändert. Wer historische Friedhöfe wie den berühmten Grunewald-Forst in Berlin besucht, wandelt zwischen mächtigen Grabsteinen, alten Familiengruften und den Ruhestätten prominenter Persönlichkeiten wie der Sängerin Nico. Zu meinen bisherigen Besuchen dort gehört auch der eindrucksvolle Selbstmörderfriedhof im Grunewald, der ebenfalls eine ganz eigene, stille Geschichte erzählt. Diese Orte erzählen Geschichten aus vergangenen Zeiten – eingemeißelt in schweren, dunklen Stein. Doch die Art, wie wir Abschied nehmen, wandelt sich spürbar. Immer mehr Menschen zieht es für die letzte Ruhe weg von starren Friedhofsmauern und hinauf in die unberührte Natur. Was ich hier im Begräbniswald „Küstenfrieden“ in Altenhof an der Eckernförder Bucht erlebe, ist längst kein Einzelfall mehr, sondern Teil eines bundesweiten Wandels. Ob Küstenfrieden oder RuheForst – diese naturnahen Ruhestätten haben sich als offiziell anerkannte Friedhöfe in ganz Deutschland etabliert, da immer mehr Menschen die Verbindung von Naturerlebnis und Abschied suchen.
Hier gibt es keine pompösen Denkmäler und keine Verpflichtung zur jahrzehntelangen Grabpflege. Stattdessen übernimmt die Natur das Zepter: Die Asche der Verstorbenen ruht in biologisch abbaubaren Urnen unter den Wurzeln mächtiger, alter Buchen. Dass dieser Ort gewachsen ist, zeigen die kleinen Metallschilder, die dezent an den Bäumen angebracht sind. Sie tragen die Namen der Verstorbenen sowie deren Geburts- und Sterbedaten und reichen weit in die Vergangenheit bis etwa 2013 zurück – ein Beweis dafür, wie fest verwurzelt und akzeptiert diese Bestattungsform in dieser Region bereits ist. Vor Ort habe ich mich darauf konzentriert, die Atmosphäre durch atmosphärische Übersichtsaufnahmen einzufangen – dabei ist mir ein respektvoller Umgang mit der Privatsphäre der Verstorbenen besonders wichtig. Deshalb verzichte ich auf Nahaufnahmen von Namen und konzentriere mich stattdessen auf die Stimmung, die Gedenklichter und die Weite des Waldes.
Dass es solche Möglichkeiten gibt, in der Natur beigesetzt zu werden, empfinde ich als sehr positiv. Ein klassischer Friedhof, wie wir ihn kennen, wirkt auf mich oft sehr steril und ist für mich stark mit dem Tod und einer gewissen Schwere verbunden. Ein Begräbniswald hingegen fühlt sich anders an: Er hat für mich viel mehr mit Natur, Wachstum und Beständigkeit zu tun. Es ist ein tröstlicher Gedanke, dass der letzte Ruheplatz Teil eines lebendigen Ökosystems ist. Als ich mich auf den Rückweg machte, kam ich noch an dem schlichten Andachtskreuz vorbei, das inmitten des Waldes einen stillen Ort der Einkehr bietet.
Stein des Gedenkens
Ein Besuch im Küstenfrieden: Gut zu wissen
Wer diesen Ort besuchen möchte, kann dies jederzeit eigenständig tun. Wer sich intensiver informieren möchte, hat die Möglichkeit, an einer kostenlosen Waldführung teilzunehmen. Alle wichtigen Kontaktdaten und weiterführende Informationen findet man direkt auf der offiziellen Webseite unter Küstenfrieden.de
Andachtskreuz Bergräbniswald Küstenfrieden
Nach diesem Besuch habe ich mich wieder auf den Rückweg gemacht. Ich bin noch ein Stück den Steilküstenpfad entlanggelaufen, von wo aus man immer wieder einen Blick auf die Ostsee erhaschen konnte – auch wenn die Bäume durch ihr dichtes Laub den Ausblick hier und da etwas einschränkten.
Hier mein Streckenverlauf auf Komoot
Es war ein bewegender Kontrast: vom stillen Wald zurück in die lebendige, fröhliche Atmosphäre am Strand. Anschließend sind wir gemeinsam die Strandpromenade entlang spaziert und haben wir uns ein Backfischbrötchen gegönnt, ich habe dazubein kühles Bierchen genossen und zum Abschluss gab es noch ein Eis.
Mein persönliches Fazit
Auch wenn die Zeit am Strand schön ist, habe ich mich im Begräbniswald und oben auf der Steilküste deutlich wohler gefühlt. Diese Stille, fernab vom regen Treiben an der Strandpromenade, in der Kieler Straße oder rund um unseren Strandkorb, war eine wertvolle Erfahrung. Es ist einfach weitaus gemütlicher, wenn man am späteren Nachmittag für sich ist. Heute Abend kochen wir uns eine warme Spaghetti Bolognese. Morgen ist dann unsere Tour nach Preetz angesagt.












