Ein Spaziergang, der das Herz wärmt
Manchmal sind es die kleinen Momente, die am meisten in Erinnerung bleiben. Ein klarer Morgen, ein Spaziergang und eine herrliche Aussicht. Heute hatten wir so einen Moment, als wir die Gelegenheit für einen kleinen Spaziergang zur Burg Ockenfels genutzt haben.
Vom Burgplatz in Linz aus war es nur ein Katzensprung, aber die Belohnung war riesig: eine herrliche Aussicht über den majestätischen Rhein. Die Burg, die früher den schönen Namen Burg zur Leyen trug, thront wie ein stiller Wächter über dem Tal und lädt einfach dazu ein, innezuhalten und den Blick schweifen zu lassen.
Solche Erlebnisse sind ein wunderbarer Abschied, bevor es wieder zurück nach Berlin ging. Aber das Gute ist: Es ist kein Abschied für immer! Denn schon am 27. Dezember packen wir wieder die Koffer und machen uns bereit für die nächste Portion Linz am Rhein.
Die Geschichte der Burg Ockenfels: Ein Ort mit zwei Gesichtern
Die Burg Ockenfels, malerisch auf einem Felssporn oberhalb von Linz am Rhein gelegen, ist ein beeindruckendes Beispiel für eine "Wiederaufbau-Burg". Ihre Geschichte ist geprägt von Zerstörung, Verfall und einer romantischen Wiedergeburt.
Die mittelalterlichen Ursprünge: Burg zur Leyen
Die Geschichte der Burg Ockenfels beginnt im frühen 13. Jahrhundert, als sie von der niederadeligen Familie zur Leyen erbaut wurde. Sie diente als deren Stammsitz und war dem Erzstift Köln verpflichtet. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Anlage im Jahr 1341. Über die genaue Bauweise und das Aussehen der ursprünglichen Burg ist heute allerdings wenig bekannt.
Ihr Schicksal als mittelalterliche Festung endete im Jahr 1475. Im Rahmen der Kölner Stiftsfehde wurde die Burg von den Truppen Karls des Kühnen von Burgund erobert und zerstört. Was danach folgte, war ein langer, langsamer Verfall. Die verbliebenen Reste dienten über Jahrhunderte als Steinbruch, sodass im 19. Jahrhundert kaum noch mehr als einige Grundmauern und ein Mauerrest zu sehen waren.
Die romantische Wiedergeburt im 20. Jahrhundert
Die heutige Gestalt der Burg verdankt sich einem mutigen Neubau, der nichts mehr mit der alten Ruine zu tun hat. Im Jahr 1924 erwarb Vizekonsul Franz Delden die Ruine und ließ zwischen 1924 und 1927 das heutige Gebäude im Stil einer romantischen Burg errichten. Für den Neubau wurden die alten Reste teilweise integriert. Die Architekten schufen eine malerische Anlage mit zwei halbrunden Türmen und einem zur Rheinseite geöffneten Hof, die ganz dem Zeitgeist der Burgenromantik entsprach.
Eine wechselvolle moderne Geschichte
Nach dem Wiederaufbau hatte die Burg Ockenfels eine bewegte Geschichte:
- Sie diente von 1936 an als Erholungs- und Altenheim für die Kölner Cellitinnen.
- Von 1960 bis 1974 wurde sie als Burghotel betrieben.
- In den folgenden Jahren wechselte sie mehrfach den Besitzer und verfiel zusehends.
Seit 1998 dient die Burg Ockenfels als Verwaltungssitz und ist nicht öffentlich zugänglich. Trotzdem bleibt sie ein beeindruckender Anblick und ein wichtiges Wahrzeichen der Region, das von seiner einzigartigen und doppelten Geschichte erzählt. Sie ist ein Beweis dafür, dass eine Ruine nicht das Ende sein muss, sondern der Beginn einer neuen, romantischen Ära sein kann.