Eine Wanderung am Rhein trotz Regenwarnung: Von Linz nach Erpel
Der Blick auf die Wetter-App verheißt nichts Gutes: Anhaltender Starkregen wurde angesagt. Ein grauer Himmel hängt über dem Rheintal und die Hoffnung auf eine trockene Wanderung schwindet. Doch für unsere geplante Tour von Linz am Rhein nach Erpel zeigt die Wettervorhersage eine Lücke in den Wolken, und so wagen wir es. Manchmal muss man das Risiko eingehen, um die Schönheit der Natur zu erleben.
Unsere Route: Start in Linz, Ziel in Erpel
Wir starten in der bunten Stadt Linz, lassen die historischen Gassen hinter uns und wandern Richtung Ockenfels. Von dort führt uns der Weg durch die beeindruckende Natur des Rheinsteigs nach Kasbach. Die Luft ist klar und frisch, der Regen lässt sich noch nicht blicken.
Unerwartete Herausforderungen und eine Planänderung
Nach Kasbach wird der Weg anspruchsvoller. Die steilen Anstiege sind aufgeweicht und stellen eine echte Herausforderung dar – besonders für meine Begleitung Christina. Statt uns zu überfordern, entscheiden wir uns für eine spontane Planänderung. Wir wählen eine alternative, einfachere Route nach Erpel und genießen die entspannte Wanderung, die uns schließlich in die historische Altstadt des Ortes führt.
Fazit: Flexibilität zahlt sich aus
Auch wenn das Wetter nicht perfekt war, zeigte sich, dass eine Wanderung von Linz nach Erpel ein unvergessliches Erlebnis sein kann. Die Unvorhersehbarkeit des Wetters forderte uns heraus, flexibel zu bleiben, und so konnten wir die Tour anstatt abzubrechen, einfach anpassen.
Die Geschichte von Erpel am Rhein: Ein Ort mit "Herz und Seele"
Willkommen in Erpel, einem charmanten Ort am Rhein, dessen reiche Geschichte sich in seinen alten Mauern, Fachwerkhäusern und der beeindruckenden Kirche widerspiegelt. Erpel ist nicht nur landschaftlich idyllisch am Fuße der Erpeler Ley gelegen, sondern blickt auch auf eine über 1500-jährige, bewegte Vergangenheit zurück, die seine "Herrlichkeit" bis heute prägt.
Alte Herrlichkeit und Kölner Besitz
Die Geschichte Erpels ist eng mit Köln verbunden. Bereits im 12. Jahrhundert kam Erpel in den Besitz der Kölner Erzbischöfe und später des Kölner Domkapitels. Diese enge Verbindung wird auch im Wappen Erpels sichtbar: Das schwarze Kreuz auf silbernem Grund steht für Kurköln, während die gekreuzten Schlüssel die Herrschaft des Domkapitels bezeugen.
Im 15. Jahrhundert erlebte Erpel einen wirtschaftlichen Aufschwung, der 1420 sogar zur Verleihung der Marktrechte führte. Der Weinbau spielte dabei eine zentrale Rolle. Der im Siebengebirge angebaute Wein war in Köln sehr beliebt und wurde von Erpel aus über den Rhein verschifft. Das malerische Ortsbild mit seinen zahlreichen Fachwerkhäusern aus dem 16. bis 18. Jahrhundert zeugt noch heute von dieser Blütezeit.
Eine Stadt der Legenden
Eine besondere Legende rankt sich um die Pfarrkirche St. Severinus, die im 13. Jahrhundert erbaut wurde. Es wird erzählt, dass die Kirche im Jahr 1164 vorübergehend die Reliquien der Heiligen Drei Könige beherbergte, als diese von Mailand nach Köln überführt wurden. Daran erinnern die drei goldenen Kronen im oberen Teil des Ortswappens. Der Kirchturm selbst ist noch älter und stammt von einem Vorgängerbau aus dem 10. Jahrhundert.
Die Brücke von Remagen und die Erpeler Ley
Ein dramatisches Kapitel der jüngeren Geschichte Erpels ist untrennbar mit der Ludendorff-Brücke verbunden, die den Ort mit Remagen auf der gegenüberliegenden Rheinseite verband. Erbaut im Ersten Weltkrieg, erlangte sie am 7. März 1945 traurige Berühmtheit. Als einzige intakte Rheinbrücke in weitem Umkreis wurde sie von US-Truppen eingenommen, was einen schnellen Vormarsch ermöglichte und das Ende des Zweiten Weltkriegs beschleunigte. Nur wenige Tage später stürzte die Brücke unter Beschuss und Überlastung ein.
Die Brückentürme auf der Erpeler Seite sind bis heute erhalten geblieben. Unter der Erpeler Ley, einem mächtigen Basaltfelsen, der eine atemberaubende Aussicht bietet, befindet sich ein alter Eisenbahntunnel, der im Krieg als Schutzbunker diente und heute zu einem Friedensmuseum gehört.
Erpel heute
Trotz der Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg konnte der historische Charakter des Ortskerns bewahrt werden. Heute lädt Erpel mit seinen engen Gassen, dem barocken Rathaus von 1780 und der malerischen Rheinfront dazu ein, auf den Spuren der Geschichte zu wandeln und die besondere Atmosphäre der "Alten Herrlichkeit" zu genießen.