Papenburg: Unser letzter Tag im „Venedig des Nordens“
Unser letzter Tag führte uns in den hohen Norden Deutschlands, nach Papenburg, der nördlichsten Stadt des Emslandes in Niedersachsen. Papenburg ist eine selbstständige Gemeinde und ein wichtiges Zentrum, das sich seinen Ruf als Kanal- und Schiffbaustadt hart erarbeitet hat. Es war beeindruckend zu sehen, warum die Stadt auch den charmanten Beinamen „Venedig des Nordens“ trägt.
Kanäle, Schiffe und maritime Romantik
Mit rund 40 Kilometern Kanälen und unzähligen Brücken, die das Stadtbild prägen, fühlten wir uns wie in einer maritimen Märchenwelt. An den Ufern reihen sich zahlreiche Schiffe, die die Atmosphäre so romantisch machen. Einzig die Sonne hätte die Idylle noch perfekter machen können – aber auch bei bewölktem Himmel war der Anblick wunderschön.
Papenburg: Vom Moor zum "Venedig des Nordens"
Die Geschichte Papenburgs ist eine einzigartige Erfolgsgeschichte, die eng mit dem Kampf gegen die Natur und dem Unternehmergeist ihrer Gründer verbunden ist. Die Stadt liegt in Ostfriesland, einem Landstrich, der ursprünglich aus weiten, unzugänglichen Moorlandschaften bestand.
Die Urbarmachung des Moores und der Beginn der Schifffahrt
Die Geschichte der Stadt beginnt im Jahr 1631, als der Drost Dietrich von Velen das Gebiet kaufte, um es urbar zu machen. Die Vision war es, das Moor zu entwässern und in fruchtbares Ackerland zu verwandeln. Dafür wurde das sogenannte Hauptfehnkanal angelegt – der erste von vielen Kanälen, die der Stadt ihren heutigen Spitznamen verleihen sollten.
Diese Kanäle dienten nicht nur der Entwässerung, sondern auch als Transportwege für Torf, der als Brennmaterial in die umliegenden Städte verschifft wurde. So wurde Papenburg in der Fehnlandschaft zu einem Zentrum des Torfhandels. Mit dem Handel wuchs auch die Schiffsbauindustrie.
Von der Moor-Kolonie zum Schiffbau-Zentrum
Die Papenburger bauten ihre Schiffe selbst, und bald entwickelte sich der Schiffbau zum wichtigsten Wirtschaftszweig. Im 19. Jahrhundert war Papenburg die Heimat der größten Binnen- und Küstenflotte Deutschlands. Die vielen Werften, die sich an den Kanälen ansiedelten, prägten das Stadtbild maßgeblich. Man nannte sie bald das "Venedig des Nordens", da die Kanäle die Hauptstraßen waren und die Schiffe das wichtigste Fortbewegungsmittel.
Im 20. Jahrhundert ging die Schifffahrt auf den Kanälen zurück, aber eine Werft überlebte den Wandel der Zeit und wurde weltbekannt: die Meyer Werft. Sie spezialisierte sich auf den Bau riesiger Kreuzfahrtschiffe. Diese Giganten sind heute ein Markenzeichen der Stadt und ziehen Besucher aus aller Welt an.
Die Geschichte Papenburgs ist eine beeindruckende Erzählung über menschliche Zähigkeit, die aus einer unwegsamen Moorlandschaft eine blühende Stadt mit einer einzigartigen Kultur und Architektur schuf. Die Kanäle, die einst für die harte Arbeit der Kolonisten gegraben wurden, sind heute das malerische Herz der Stadt.