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Lutherstadt Wittenberg

Ein Tag in der Lutherstadt Wittenberg – Von Berlin in 90 Minuten zur Reformation

​Unsere heutige Tagesexkursion führte uns in die Lutherstadt Wittenberg, die wir seit fast acht Jahren wieder besuchten. Die Anreise aus Berlin ist ideal: Mit der Bahn braucht man vom Berliner Hauptbahnhof nur rund 90 Minuten. Vom Bahnhof Wittenberg sind es dann nur zehn Minuten zu Fuß zum historischen Stadtzentrum.

Wittenberg wurde im 12. Jahrhundert gegründet und erlangte im 16. Jahrhundert durch Martin Luther und die Reformation weltweite Berühmtheit. Die Stadt beherbergt die beeindruckende Stadtkirche St. Marien, in der Luther predigte, sowie das Lutherhaus, das heute als größtes reformationsgeschichtliches Museum der Welt dient. Die Universität Wittenberg spielte eine zentrale Rolle bei der Verbreitung von Luthers Lehren.

​Highlights und Sehenswürdigkeiten in Wittenberg

Auf unserem Spaziergang durch die Stadt haben wir folgende historische Orte und Denkmäler entdeckt:

  • Wittenberger Röhrwasser/Marktbrunnen: Ein funktionsfähiges, historisches Wasserversorgungssystem, dessen Brunnen von 1617 stammt.
  • Reformations-Weltkugel auf dem Marktplatz.
  • Altes Rathaus am Marktplatz.
  • Schlossstraße mit Blick auf die Schlosskirche Wittenberg.
  • Bugenhagenhaus: Ehemaliger Sitz des ersten evangelischen Stadtpfarrers Johannes Bugenhagen.
  • Statue von Martin Luther auf dem Marktplatz.
  • ​Das Haus von Philipp Melanchthon.
  • Original Wittenberger Lutherbrot.

​Zum Mittagessen kehrten wir in der Trattoria Toscana in der Mittelstraße 1-2 ein, um uns für die weitere Erkundung zu stärken. Trotz der vielen Schulklassen war der Besuch ein voller Erfolg.


Das Mittelalter: Residenz und Handelsplatz

  • Anfänge: Schon im 13. Jahrhundert war Wittenberg als Siedlung an der Elbe bekannt und erhielt im Jahr 1293 das Stadtrecht. Ihre strategisch günstige Lage machte sie zu einem wichtigen Handelsplatz.
  • Residenzstadt: Die Stadt wurde im 15. Jahrhundert zur Residenzstadt der sächsischen Kurfürsten. Unter Kurfürst Friedrich III. "dem Weisen" erlebte Wittenberg einen enormen Aufschwung. Er ließ das Schloss und die Schlosskirche neu bauen und machte die Stadt zum politischen und kulturellen Zentrum.
  • Gründung der Universität: Ein Meilenstein war die Gründung der Universität "Leucorea" im Jahr 1502. Sie sollte die intellektuelle Basis des Kurfürstentums stärken und zog bedeutende Gelehrte an, darunter bald auch Martin Luther.

​Die Reformation: Der Wendepunkt der Weltgeschichte

  • Martin Luthers Wirken: Das 16. Jahrhundert machte Wittenberg unsterblich. Im Jahr 1508 kam der Augustinermönch Martin Luther an die Universität, um zu lehren. Am 31. Oktober 1517 soll er seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche genagelt haben. Dies gilt als der Auslöser der Reformation, einer Bewegung, die nicht nur die Kirche spaltete, sondern auch tiefgreifende gesellschaftliche und politische Veränderungen in ganz Europa bewirkte.
  • Wittenberg als Medienzentrum: Dank des Druckers Lucas Cranach dem Älteren, der auch Bürgermeister und Apotheker war, wurde Wittenberg zu einem der wichtigsten Medienzentren der Reformationszeit. Luthers Schriften und seine Bibelübersetzung wurden hier gedruckt und verbreiteten sich schnell.
  • Weltkulturerbe: Die historischen Stätten Luthers und seines Mitstreiters Philipp Melanchthon sind so bedeutsam, dass sie seit 1996 zum UNESCO-Welterbe gehören. Dazu zählen das Lutherhaus, das Melanchthonhaus, die Stadtkirche St. Marien und die Schlosskirche.

​Spätere Jahrhunderte: Von Zerstörung und Wiederaufbau

  • Siebenjähriger Krieg: Im 18. Jahrhundert erlitt Wittenberg schwere Schäden, als es im Siebenjährigen Krieg belagert wurde. Das Schloss und die Schlosskirche wurden stark beschädigt, und die berühmte, originale hölzerne Thesentür ging dabei verloren. Die heutige Thesentür ist eine Bronzenachbildung aus dem 19. Jahrhundert.
  • Preußische Zeit: Nach dem Wiener Kongress im Jahr 1815 fiel Wittenberg an das Königreich Preußen. Die Stadt wurde zur Garnisonsstadt ausgebaut und die Universität geschlossen. Die Denkmäler für Luther und Melanchthon wurden in dieser Zeit errichtet.

​Wittenberg in der Neuzeit

  • Namensänderung: Im Jahr 1938 erhielt die Stadt offiziell den Beinamen "Lutherstadt", um ihre historische Bedeutung zu unterstreichen.
  • Moderner Ort: Heute ist Lutherstadt Wittenberg ein lebendiges Zentrum der Erinnerung an die Reformation. Die historischen Gebäude sind liebevoll restauriert und ziehen jährlich unzählige Besucher aus aller Welt an, die auf den Spuren Luthers wandeln. Die Stadt hat sich zu einem modernen Wirtschafts- und Tourismusstandort entwickelt, der seine einzigartige Geschichte pflegt und feiert.